Marokkos König ernennt Fatima Ezzahra El Mansouri zur Premierministerin
29. September 2026 · 1 Min. Lesezeit

Der marokkanische König Mohammed VI. hat die bisherige Wohnungsbauministerin Fatima Ezzahra El Mansouri zur neuen Premierministerin ernannt und mit der Regierungsbildung beauftragt. Damit steht erstmals in der Geschichte des Landes eine Frau an der Spitze der Regierung. Die 50-jährige Juristin führt die Partei für Authentizität und Modernität (PAM), die bei der Parlamentswahl am 23. September als stärkste Kraft hervorgegangen war.
El Mansouri setzte sich bei der Ernennung gegen ihren Parteikollegen Fouzi Lekjaa durch. Der Chef des Königlichen Fußballverbandes hatte nach dem Wahlsieg der PAM zunächst als Favorit für das Amt gegolten. Gemäß der Verfassung bestimmt das Staatsoberhaupt die Person an der Regierungsspitze aus den Reihen der stärksten Fraktion im Repräsentantenhaus. Der König behält in der konstitutionellen Monarchie weit reichende Befugnisse, insbesondere in der Außen- und Verteidigungspolitik.
Bei der Abstimmung vor einer Woche lag die Wahlbeteiligung bei 38 Prozent. Die PAM sicherte sich 97 Sitze im Parlament, gefolgt von ihren bisherigen Koalitionspartnern, der Nationalen Unabhängigkeitsversammlung (RNI) mit 66 und der Istiqlal mit 65 Mandaten. Für eine Mehrheit muss El Mansouri nun eine Koalitionsregierung bilden. Obwohl ihre Partei im Wahlkampf eine Zusammenarbeit mit der RNI ausgeschlossen hatte, erklärte die Politikerin zuletzt, es gebe bei den Verhandlungen keine roten Linien.
Aus konservativen religiösen Kreisen des mehrheitlich muslimischen Landes kam Kritik an der Personalentscheidung. Es sei unklar, wie eine Frau an den religiösen Zeremonien des Königs teilnehmen könne. El Mansouri gehört seit zwei Jahren zur Führungsspitze der PAM und amtierte 2009 bereits als erste Bürgermeisterin ihrer Geburtsstadt Marrakesch.
Auf das künftige Kabinett warten große Aufgaben. Marokko richtet die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 gemeinsam mit Spanien und Portugal aus und muss die letzten Phasen der 20 Milliarden Dollar teuren Vorbereitungen steuern. Zudem entlud sich die Unzufriedenheit junger Menschen im Land zuletzt im Juli bei tödlichen Protesten und einem massenhaften Andrang auf die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta. El Mansouri hatte im Wahlkampf versprochen, den jungen Leuten in Marokko „wieder Hoffnung zu geben“.
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